Früher war er Anlaufpunkt Nummer 1, wenn ich in der Stadt unterwegs war. Gut, österreichische Buchgeschäfte können leider überhaupt nicht mit Barnes and Nobles oder Borders in den USA mithalten (der Thalia vielleicht ansatzweise). Urform dieser Buchgeschäfte war der Morawa in der Wollzeile.
Früher, da hat man’s schon geil gefunden, wenn in einem Buchladen ein Fauteuil herumgestanden ist. Beim Morawa stehen da zwei im ersten Stock gleich wenn man die Stiegen raufkommt rechts. Um die war dann natürlich immer ein Gries. Einmal drinnen g’sessen, hat man sich’s schwer überlegt, ob man da noch einmal aufstehen möchte.
Keine Ahnung wie lang ich bei dem Ständer mit den Philosophiebüchern rumg’standen bin (der hat nämlich die zwei Sitzgelegenheit flankiert). Der gegenüber mit den Esoterikbüchern war mir dann doch etwas zu blöd. Da hab‘ ich dann immer g’spitzt, bis der Sessel freig’worden ist. Dann noch ein Zwischensprint und aufpasst, dass mir nicht die zwanzig Bücher runterfallen, die ich mir unter sämtliche Arme geklemmt hatte. Da gab’s dann kein Pardon. Da wurde dann alles aus dem Weg geräumt, was sich mir in den Weg stellte. Einmal in den Sessel gesunken, ließ sich dann wunderbar die Zeit totschlagen, die ich noch bis zu meinem Treffen am Stephansplatz hatte. Egoistisch wie ich bin, hab‘ ich dann nicht einmal an die armen Verkäuferin dacht, die dann die Bücher wieder zurück zu den Regalen bringen musste, die ich mir dann irgendwo rauszaht hab. Klein ist ja der Morawa auch nicht.
Heutzutage sind ja Dinge wie Sesseln und all möglichen Formen an Sitzgelegenheit durchaus nichts mehr Außergewöhnliches. Drum geh‘ ich auch nicht mehr allzu oft zum Morawa. Aber wenn ich jemand am Stephansplatz treffe oder es draußen zum regnen anfängt. Und ehrlich: der Morawa ist halt immer noch der Hauptdistributeur von Magazinen und Zeitungen in Österreich. Da findet man alle Zeitung und Zeitschriften.




