Eingeladen hat er mich der Typ von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua in das Nobelhobel Restaurant Asia in der Teinfaltstraße zum Mittagessen. Grund: er wollte, dass ich ihm ein Interview mit meinem Chef organisiere. Mein Chef damals: ein ehemaliger österreichischer Bundespräsident und UNO Generalsekretär – damit genug gesagt.
Also ab in das Lokal hinter dem Burgtheater. Die Vorspeise wird aufgetischt. Im Zuge dessen sein Anliegen vorgetragen. Wir unterhalten uns. Verhandlungen mit Personen von chinesischen Nachrichtenagenturen müssen mit Bedacht geführt werden. „Ich werde mein Bestes zu tun, aber garantieren kann ich nix“, sage ich, als er mir seine Briefkorrespondenz mit unserem Büro unter die Nase hält. Diese, meine Nase, wird gerümpft. Im Hinterkopf das Wissen, dass sich da sowieso nix machen lässt, verweilt doch der Chef im Sommer am Attersee und dass in Wirklichkeit sein enger Vertrauter die Interviewfragen beantworten wird. Wer glaubt, dass ein 87-Jähriger in seinem Urlaub im August ein Interview gibt, kann sowieso nur naiv sein oder unglaublich arrogant. Der Kellner ist, auf Grund des hohen Besuchs, ganz aufgeblattelt und nimmt sich extra viel Mühe. Ein Gang nach dem anderen wird aufgetischt. Gut schmeckt’s!
Die Bentobox bleibt nicht nur nicht in der Küche, nein, sie befindet sich gar nicht im Lokal. Unter zehn Euro gibt es hier hauptspeisentechnisch nix. Die Speisen gehören zur gehobenen asiatischen Küche. Das interessiert mich aber nicht die Bohne. Ich zahl‘ ja nicht. Der Schweiß auf meiner Stirne drückt stattdessen nicht die Hitze sondern mein Bemühen aus, mich um die Anliegen der chinesischen Staatsnachrichten zu kümmern. Die Diplomatie ein Spiel oder sollte man sagen ein Schauspiel verfeinert mit teurem Essen.




